Aufgaben zu den Fehlanreizen (HS 3)


Fehlanreize bei Fremdfinanzierung, Hybride Finanzierungsinstrumente

1. Aufgabe


Die L AG ist ein solides mittelständisches Unternehmen mit sehr niedrigem Verschuldungsgrad und einem AAA Rating. Das Fremdkapital (FK) wurde vollständig durch eine Kuponanleihe mit einem Nominalwert von 100 Mio. Euro, einem Kuponzins von 5 % und einer Restlaufzeit von 6 Jahren aufgebracht. Nun wird das Unternehmen im Rahmen eines LBO aufgekauft. Nach dem Kauf muss die L AG auch für die Junk-Bonds (Schrott-Anleihen) des LBO Unternehmens aufkommen. Entsprechend wird das Rating der L AG auf CCC angepasst.

Rating AAA CCC
Marktzins 5% 20%
a.) Bestimmen Sie die Veränderung der Vermögensposition der Alt-Gläubiger durch den LBO, indem Sie die Differenz der Marktwerte des FK vor und nach dem LBO berechnen. Gehen Sie davon aus, dass die Vertragsbedingungen nicht angepasst werden. Lösung anzeigen!
b.) Welchem Fehlanreiz bei Fremdfinanzierung ähnelt diese Situation? Begründen Sie Ihre Antwort kurz! Welche weiteren Fehlanreize bei Fremdfinanzierung kennen Sie? Lösung anzeigen! 

2. Aufgabe

Eine Unternehmung ist teilweise mit Fremd- und teilweise mit Eigenkapital finanziert. Alle Akteure (Banken und der Eigentümer des Unternehmens) sind risikoneutral. Im Insolvenzfall haftet der Eigentümer nicht mit seinem Privatvermögen. Zum Marktzins i=10% kann beliebig viel Geld aufgenommen und angelegt werden. Bank 1 hat auf Basis der vorliegenden Informationen zum Investitionsprojekt I1 und der der damit verbundenen Insolvenzwahrscheinlichkeit von 30% ihren Festbetragsanspruch in Höhe von 216 kalkuliert (Ausgangssituation). Nun ergibt sich für den Eigentümer die Möglichkeit, zusätzlich das Investitionsobjekt I2 durchzuführen. Dazu müsste jedoch ein zusätzlicher Kredit bei der Bank 2 in Höhe von 50 aufgenommen werden. Bank 2 würde ihren Festbetragsanspruch in Kenntnis beider Investitionsmöglichkeiten kalkulieren.


a.) Füllen Sie die fehlenden Felder in den Tabellen aus! Hat der Eigentümer einen Anreiz, das zusätzliche Investitionsobjekt I2 verbunden mit einer zusätzlichen Kreditaufnahme bei Bank 2 durchzuführen? Begründen Sie Ihre Antwort. Lösung anzeigen! 

b.) Wie kann die Bank 1 mit ihrem Festbetraganspruch reagieren? Quantifizieren Sie die Reaktion.

3. Aufgabe

Ein Unternehmen ist teilweise mit Fremd- und teilweise mit Eigenkapital finanziert. Alle Akteure (Banken und der Eigentümer des Unternehmens) sind risikoneutral. Im Insolvenzfall haftet der Eigentümer nicht mit seinem Privatvermögen. Zum Marktzins i=10% kann beliebig viel Geld aufgenommen werden. Bank 1 hat auf Basis der vorliegenden Informationen zum Investitionsobjekt I0 seinen Festbetragsanspruch von 104 GE (Geldeinheiten) kalkuliert (Ausgangssituation). Nun nimmt der Eigentümer einen neuen Kredit bei Bank 2 auf und ersetzt einen Teil des EK durch neues Fremdkapital. Die Konditionen des Kredites bei Bank 1 bleiben unverändert.

a.) Füllen Sie die fehlenden Felder in der Tabelle aus. Welcher Fehlanreiz des Eigentümers liegt vor?

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b.) Nennen Sie weitere mögliche Fehlanreize in Verbindung mit der Kreditfinanzierung von Unternehmen.

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c.) In Anbetracht der zahlreichen möglichen Fehlanreize, die bei der Kreditfinanzierung auftreten können, liegt die Vermutung nahe, dass die vollständige Eigenfinanzierung mit Beteiligung aller Eigenkapitalgeber an der Unternehmensleitung stets optimal sei. Nehmen Sie zu dieser These in wenige Sätzen Stellung.

4. Aufgabe

a.) Konstruieren Sie mit Hilfe der beiden Tabellen ein eigenes Zahlenbeispiel für das Risikoanreizproblem. Gehen Sie dabei von folgenden Rahmenbedingungen aus: Alle Akteure sind risikoneutral, d. h. sie maximieren ihren erwarteten End- bzw. Barwert. Zum Marktzins von 10 % kann beliebig viel Geld aufgenommen und angelegt werden. (Die Bank kalkuliert diese 10 % auf Basis der erwarteten Rückflüsse!) Der Eigenkapitalgeber trifft die Investitionsentscheidung und maximiert dabei den erwarteten Endwert seines Residualeinkommens. Seine Haftung ist beschränkt. Die Variablen haben folgende Bedeutung: I0: die zum Vertragsabschluss vereinbarte Investition; I1: eine alternative Investition; t: Zeitpunkte; A0: Anfangsauszahlung in t=0; e1: Rückfluss in t=1; E(e1): Erwartungswert von e1; EW: erwarteter Endwert der Zahlungsreihe (A0,e1); FK0: Fremdkapital; EK: Eigenkapital; p: Eintrittswahrscheinlichkeit.

b.) Nennen Sie drei weitere Fehlanreize bei Fremdfinanzierung!

c.) Was für Maßnahmen werden von Banken zur Vermeidung opportunistischen Verhaltens durch die Kreditnehmer eingesetzt?

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