Leasing

Dr.-Ing. Hans-Markus Callsen-Bracker


Beim Leasing handelt es sich um eine spezielle Form der Vermietung bzw. Verpachtung. Grundsätzlich sind dabei alle möglichen Mischformen zwischen einem reinem Miet- und einem Kaufvertrag vorstellbar. Daher ist es sinnvoll, die verschiedenen Erscheinungsformen des Leasings zu kategorisieren:

So wird beispielsweise zwischen direktem und indirektem Leasing unterschieden. Während beim direkten Leasing das Leasing-Objekt direkt vom Hersteller bzw. Produzenten verleast wird, ist beim indirekten Leasing eine Leasinggesellschaft zwischengeschaltet, die das Leasingobjekt erwirbt und es dann an den Leasing-Nehmer vermietet.

Je nachdem, worum es sich bei dem Leasingobjekt konkret handelt, wird zwischen Mobilien-Leasing bei beweglichen Leasingobjekten und Immobilien-Leasing bei der Vermietung von Grundstücken unterschieden.

In Abhängigkeit von der Verteilung des Investitionsrisikos wird zwischen Financial- und Operating-Leasing unterschieden. Während bei Operating-Leasing Verträgen jederzeit unter Einhaltung einer relativ kurzen Kündigungsfrist vom Leasing-Nehmer gekündigt werden kann, werden bei Financial-Leasing Verträgen in der Regel eine feste Grundmietzeit vereinbart, während der der Vertrag NICHT gekündigt werden kann. Das Investitionsrisiko liegt also bei Operating-Leasing Verträgen klar beim Leasing-Geber, während bei Financial-Leasing Verträgen ein Großteil des Investitionsrisikos vom Leasing-Nehmer zu tragen ist.

Operating-Leasing Verträge sind bis auf die Haftungsregelung kaum von normalen Mietverträgen zu unterscheiden.

Financial-Leasing Verträge sind entweder so kalkuliert, dass es zu einer Amortisation während der vertraglich festgelegten Mindestvertragslaufdauer kommt, in diesem Fall spricht man von einem Vollamortisationsvertrag, oder sie sind so ausgestaltet, dass die Amortisation erst nach Ende der Grundmietzeit erfolgt, dann wird von einem Teilamortisationsvertrag gesprochen!

Wird ein Leasing-Objekt speziell für den Leasing-Nehmer hergestellt, so dass niemand sonst außer ihm das Leasing-Objekt wirtschaftlich nutzen kann, so spricht man von Spezial-Leasing-Verträgen.

Steuerliche Behandlung des Financial-Leasings

In den 60er Jahren wurde das Financial-Leasing unter anderem deshalb so populär, da man mit Financial-Leasing Verträgen elegant steuerliche Abschreibungsvorschriften umgehen konnte. Der Boom des Financial-Leasing war also auf Steuerschlupflöcher zurück zu führen, die das Financial-Leasing bot. So konnten durch extrem kurze Grundmietzeiten bei Finanzierungsleasing mit Vollamortisation sehr hohe Leasingraten als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt werden. Im Vergleich zum Kauf der Leasingobjekte, die über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden mussten, kann es also zu einer zeitlichen Vorverlegung der Steuerersparnis kommen. Der Barwert der Steuerzahlungen wurde so missbräuchlich gesenkt.

Der BFH (Bundesfinanzhof) reagierte relativ schnell und unterband die beschriebenen sowie vergleichbare "Steuersparmodelle". Es folgten Erlasse des Bundesfinanzministeriums, die im Detail sehr kompliziert sind und im Wesentlichen heute noch gelten. Im Kern geht es darum, dass das Leasingobjekt beim Leasingnehmer aktiviert wird, falls bei Vollamortisationsverträgen die Grundmietzeit weniger als 40% oder mehr als 90% der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer beträgt. Das ist die so genannte 40-90-Regel.

Bei Financial-Leasing Verträgen, bei denen es sich um Spezial-Leasing-Verträge handelt, wird das wirtschaftliche Eigentum stets dem Leasingnehmer zu geordnet. Der kann dann die Leasingraten NICHT mehr steuerlich absetzen, sondern muss stattdessen das Leasingobjekt bei sich aktivieren und abschreiben.

Literaturverzeichnis

Finanzwirtschaft der Unternehmung Perridon/ Steiner

2007, Vahlen,

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