Liquiditätskennzahlen der Bilanz

Dr.-Ing. Hans-Markus Callsen-Bracker


Als erstes wollen wir uns mit den horizontalen Bilanzkennzahlen beschäftigen, die Aussagen über die aktuelle Liquidität des Unternehmens machen. Wir betrachten:

  • Barliquidität (Liquidität 1. Grades)
  • Liquidität 2. Grades
  • Current Ratio (Liquidität 3. Grades)

Bei der Barliquidität wird der aktuelle Zahlungsmittelbestand durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten dividiert. Der Zahlungsmittelbestand ergibt sich dabei als Summe des Kassenbestandes und des jederzeit verfügbaren Guthabens bei den Kreditinstituten des Unternehmens. Als "kurzfristig" werden Verbindlichkeiten bezeichnet, die innerhalb eines Jahres fällig sind.

 

 

 

Bei der Liquidität 2. Grades wird statt des Zahlungsmittelbestandes die Summe aus dem Zahlungsmittelbestand und den kurzfristigen Forderungen zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten ins Verhältnis gesetzt.

 

 

 

 

Das Problem, dass sich gegenüber der Liquidität 1. Grades ergibt, ist, dass die kurzfristigen Forderungen unter Umständen ausfallbedroht sind. Das Current Ratio, das auch als Liquidität dritten Grades bezeichnet wird, setzt die Summe aus dem Zahlungsmittelbestand, den kurzfristigen Forderungen und den Vorräten ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Schließlich lassen sich die Vorräte auch kurzfristig versilbern, um für Liquidität zu sorgen.

 

 

Bei den Liquiditätsgraden handelt es sich um so genannte horizontale Bilanzkennzahlen, da sie Aktiva und Passiva ins Verhältnis setzten, also die Seiten der Bilanz horizontal miteinander verknüpfen. Natürlich gilt, dass die Erfüllung der durch die Bilanzkennzahlen formulierten Anforderungen weder sicher eine Insolvenz des Unternehmens ausschließt, noch dass die Nichteinhaltung eine Insolvenz unausweichlich macht. Anders formuliert gilt also, dass die Erfüllung der drei Bilanzkennzahlen weder ein notwendiges, noch ein hinreichendes Kriterium für die Liquidität eines Unternehmens darstellt. Jeder der drei Liquiditätsgrade steht für eine andere Ausprägung der Fristenkongruenzregel. Sie besagt, dass das Volumen der Aktiva mit einer Kapitalbindung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt höher als der Kapitalbetrag aller Passiva mit derselben Fälligkeit sein soll. Die Fristenkongruenzregel findet sich auch in der berühmten "goldenen Bilanzregel" wieder: Sie besagt, dass langfristiges Anlagevermögen auch langfristig finanziert sein soll oder zumindest nicht mit kurzfristigen Verbindlichkeiten. Es geht hier also wieder um eine horizontale Bilanzkennzahl.

Neben den bisher betrachteten horizontalen Bilanzkennzahlen interessieren sich vor allem auch die Banken für die Einhaltung vertikaler Bilanzkennzahlen, wie z. B. dem Verschuldungsgrad (FK durch EK), der FK-Quote (FK durch Gesamtkapital) und der EK-Quote (EK durch Gesamtkapital). Es ist nicht unbedingt klar, dass das Einhalten bestimmter Zielkennzahlen zwangsläufig zur Liquiditätssicherung führt. Wenn der Kreditgeber jedoch die Einhaltung dieser Kennzahlen fordert, dann bleibt dem Unternehmen eh keine Wahl. Man spricht dann von "Liquidität kraft Konvention". Klar ist auf jeden Fall, dass das Nichteinhalten geforderter Kennzahlen die Refinanzierung erheblich teurer machen kann.

Literaturverzeichnis

Grundzüge der Finanzierung und Investition Hans Hirth

2008, Oldenbourg, 157-161

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Finanzwirtschaft der Unternehmung Perridon/ Steiner

2007, Vahlen, 13. Auflage 563

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