Liquiditätsplanung: Der Finanzplan

Dr.-Ing. Hans-Markus Callsen-Bracker


Das zentrale Instrument der Liquiditätsplanung ist der Finanzplan. In ihm werden alle Ein- und Auszahlungen für eine bestimmte Planperiode erfasst. Dabei werden sowohl (Finanz-) Ein- und Auszahlungen, die beispielsweise aufgrund von Krediten erfolgen, als auch (Investitions-) Ein- und Auszahlungen berücksichtigt.

Typisch für Finanzpläne ist, dass die Planunterperioden oder Subperioden je weiter sie in der Zukunft liegen immer größer werden. Die Zahlungsplanung erfolgt zunächst Wochen-, dann Monats und schließlich Quartalsweise. Schließlich nimmt auch die mit den Zahlungen verbundene Unsicherheit mit zunehmendem Planungshorizont zu, so dass ab einem bestimmten Zeithorizont eine detaillierte Liquiditätsplanung keinen Sinn mehr macht.

Um die Insolvenz zu vermeiden, darf der Zahlungsmittelbestand nie negativ werden! Deshalb ist der Finanzplan in der Form, wie ihr ihn hier seht, mit einem negativen Endbestand im zweiten Monat unzulässig. Schließlich bedeutet ein negativer Endbestand, dass ein Teil der fälligen Zahlungen nicht geleistet werden kann.

Wenn man sich den Finanzplan etwas genauer anschaut, erkennt man, dass die Insolvenz durch Plananpassungen vermeidbar ist: Man hätte z. B. Auszahlungen wie die Investition im 2. Monat nach hinten verschieben oder für höhere Einzahlungen z. B. durch Vorziehen des Verkaufes der Anlage, wie er im dritten Monat geplant war, oder durch zusätzliche externe Finanz-Einzahlungen, wie z. B. durch eine höhere Kreditaufnahme, sorgen können. Außerdem erkennt man, dass der Zahlungsmittelbestand im dritten Quartal im Vergleich zu den übrigen Plansubperioden sehr hoch ist! Hier scheinen Effizienzsteigerungspotenziale zu liegen. Schließlich macht es keinen Sinn auf der einen Seite hohe Kreditzinsen zu zahlen und auf der anderen Seite hohe Barreserven unverzinst in der Kasse vorzuhalten! Hier sollte die Möglichkeit einer vorzeitigen Kredittilgung überdacht werden. Alternativ könnte man versuchen, die Liquiditätsreserven zu einem höheren Zins anzulegen, indem man beispielsweise die hoffentlich lukrative Investition aus dem vierten Quartal zum Teil vorzieht oder indem man eine Finanzanlage tätigt.

Alle diese Überlegungen können anhand des Finanzplans angestellt werden. Er ist DAS Instrument zur kontinuierlichen Optimierung des Zahlungsmittelbestandes. Man sucht mit seiner Hilfe nach Anpassungsmöglichkeiten, um einerseits die "Schlagkraft" des Unternehmens zu erhalten und um andererseits die Opportunitätskosten zu senken.

Literaturverzeichnis

Finanzwirtschaft der Unternehmung Perridon/ Steiner

2007, Vahlen, 13. Auflage 658-662

Jetzt bei Amazon bestellen

Grundzüge der Finanzierung und Investition Hans Hirth

2008, Oldenbourg, 155-157

Jetzt bei Amazon bestellen
Suche