Wechselkurse und Kreuzwechselkurse

Dr.-Ing. Hans-Markus Callsen-Bracker


Ein Wechselkurs, der auch Devisenkurs genannt wird, gibt den Preis einer ausländischen Währung wie z. B. dem Dollar in Einheiten der inländischen Währung – bei uns wäre das der Euro - an. Der aktuelle Wechselkurs zum Dollar ist (1. Mai 2007) 0,73 Euro für einen Dollar. Mit anderen Worten 100 Dollar sind gerade 73 Euro wert. Wie viel sind dann 100 Euro in Dollar wert? Dazu muss man den Euro-Betrag mit dem Kehrwert des Wechselkurses multiplizieren:

 
100 Euro · 1 Dollar /0,73 Euro = 136 Dollar
 

Von einem Kreuzwechselkurs wird gesprochen, wenn man den impliziten Wechselkurs bei drei Währungen (wie beispielsweise Euro, Dollar und Yen) meint. Der Kreuzwechselkurs Euro - Dollar ergibt sich aus dem Produkt der Wechselkurse Euro - Yen mit dem Devisenkurs Yen - Dollar. Auf arbitragefreien Märkten sollte der Kreuzwechselkurs zwischen Euro und Dollar dem tatsächlichen Wechselkurs entsprechen. Tatsächlich fanden sich bei Yahoo!Finance am 21.11.07 die folgenden Wechselkurse:

 

 

 

 

Der Wechselkurs ergibt sich normalerweise durch das freie Spiel der Marktkräfte anhand von Angebot und Nachfrage. Ausnahmen bestätigen dabei die Regel. So kann beispielsweise die chinesische Währung, der Yuan, immer noch nicht frei gehandelt werden. Die chinesische Währung ist fest an den Dollar gekoppelt, im Verhältnis 1 Dollar = 8,28 Yuan. Auch wir sind erst 1971 vom fixen Wechselkurssystem erlöst worden. Davor galt das 1944 in Bretton Woods vereinbarte Wechselkurssystem. Bei der gleichen Gelegenheit wurde hier übrigens auch die Gründung der Weltbank und des IMF vereinbart. Die Regierungen verpflichteten sich einen festen Wechselkurs gegenüber Gold bzw. gegenüber dem Dollar einzuhalten. Um diesen fixen Wechselkurs waren Schwankungen von bis zu 1 % erlaubt. Darüber mussten die Zentralbanken durch Kauf bzw. Verkauf des Dollars auf dem Markt intervenieren. Dieses System der quasi - fixen Wechselkurse brach 1971 zusammen, da der Vietnamkrieg und das teure Sozialprogramm des US Präsidenten Johnson zu einem sehr starken Kaufkraftverlust des Dollar, also einer hohen Inflationsrate in den USA geführt hatte. 12 der am Bretton Woods System teilnehmenden Volkswirtschaften werteten ihre Währungen um mehr als 30 % gegenüber dem Dollar auf.

Bei freien Wechselkursen erfolgt die Devisenkursbildung durch Zusammenführung des Devisenangebots und der Devisennachfrage. Zu einem Fremdwährungsangebot kommt es unter anderem beim Export von Gütern, die in Euro bezahlt werden müssen, oder beim Kapitalimport, also wenn beispielsweise das Ausland bei uns im Inland investiert. Anders herum kommt es zu einer erhöhten Fremdwährungsnachfrage, wenn die Europäer z. B. von den hohen Zinsen in den USA profitieren wollen. Schließlich müssen sie dann ihre Euronoten in Dollar umtauschen, um mit diesen in den USA die begehrten, hoch verzinsten Anleihen kaufen zu können. Die Fremdwährungsnachfrage steigt natürlich auch, wenn wir beispielsweise mehr japanische Autos kaufen, die wir in japanischen Yen bezahlen müssen.

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