Finanzierungsarten

Dr.-Ing. Hans-Markus Callsen-Bracker


In Anbetracht der schieren Fülle an unterschiedlichen Finanzierungsinstrumenten ist es am Anfang sinnvoll, sich zunächst einen groben Überblick über die unterschiedlichen Kategorien zu verschaffen, in die man die Finanzinstrumente einordnen kann.

 
 

Man unterscheidet dabei zwischen Eigen- und Fremd- sowie zwischen Innen- und Außenfinanzierung. Fremd- und Eigenkapital unterscheidet sich hinsichtlich einer ganzen Reihe verschiedener Faktoren. So wird Eigenkapital dem Unternehmen in der Regel unbefristet zur Verfügung gestellt, während Fremdkapital normalerweise zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt werden muss. In der Regel wird beim Fremdkapital eine feste Verzinsung vereinbart, wohingegen die Eigenkapitalgeber nur einen Residualanspruch haben: Sie haben einen Anspruch auf das Residuum, das nach vollständiger Bedienung der Fremdkapitalansprüche übrig bleibt.

 
 

Die Eigenkapitalgeber haben in Regel nicht nur Vermögens- sondern auch Mitgliedschaftsrechte, das heißt, dass sie Einflussmöglichkeiten auf die Unternehmenspolitik besitzen. Grundsätzlich stellt das Eigenkapital einen Verlustpuffer auch für die Fremdkapitalgeber dar. Die folgende Tabelle verdeutlicht einige markante Unterschiede zwischen Fremd- und Eigenfinanzierung.

 
 
 
 
 EigenkapitalFremdkapital
Kapitalüberlassungunbefristetbefristet
ZahlungsanspruchResidualanspruchfeste Verzinsung
Bedienung im Insolvenzfallnachrangigvorrangig
Mitgliedschaftsrechtejanein
 
 
 

In welcher Form Eigenkapital bereitgestellt werden kann, hängt von der jeweiligen Gesellschaftsform ab. Bei Kapitalgesellschaften wie der Aktiengesellschaft oder der GmbH ist die Haftung der Eigner in der Regel auf das Unternehmensvermögen beschränkt. Sie trifft also im Insolvenzfall keine Nachschusspflicht. Anders ist dies bei Personengesellschaften wie der oHG. Die Gesellschafter der oHG haften mit ihrem gesamten Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der oHG, so dass eine Abgrenzung zwischen dem Eigenkapital des Unternehmens und dem Privatvermögen der Gesellschafter nicht so ohne weiteres möglich ist.

 
 
Die Verbriefung des Eigenkapitals erfolgt beispielsweise bei den Aktiengesellschaften mit Hilfe von Anteilsscheinen, den Aktien. Aktien haben den Vorteil, dass sie in der Regel sehr liquide sind, da die Eigenkapitalgeber ihre Unternehmensanteile normalerweise einfach über die Börse weiterveräußern können. Die Gesellschaftsanteile an einer GmbH werden hingegen nicht verbrieft. Sie sind viel weniger liquide und häufig ist es abhängig von der Satzung der GmbH, wie einfach oder schwierig der Verkauf der Gesellschaftsanteile ist. Fremdkapital wird in der Regel befristet und mit einer festen Verzinsung überlassen.
 
 

Ist das Eigenkapital als Verlustpuffer aufgezehrt, so dass das Unternehmen seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen kann, muss Insolvenz angemeldet werden. In diesem Fall wird im Rahmen des Insolvenzverfahren versucht, die zur Bedienung der FK-Geber vorhandene Masse zu erhalten bzw. zu maximieren. Der vom Insolvenzverwalter festgestellte Restwert wird dann auf die Gläubiger gemäß ihrem Anteil ihrer Forderung an den Gesamtverbindlichkeiten des Unternehmens aufgeteilt. Im Insolvenzfalle bleibt für die nachrangig zu bedienenden Eigenkapitalgeber regelmäßig nichts mehr übrig. Hier wird klar, dass das Eigenkapital einen bedingten Zahlungsanspruch verbrieft. Er lebt nur unter der Bedingung auf, dass das Fremdkapital bedient werden kann.

 
 

Fremdkapital kann auf sehr unterschiedliche Art und Weise zur Verfügung gestellt werden. Das geht von normalen Kreditverträgen bei der Hausbank bis hin zu börsengängigen Schuldverschreibungen. Letztere sind stark standardisiert und sehr liquide, wohingegen die Weiterveräußerung normaler Kreditverträge möglich jedoch ziemlich aufwendig ist. Das geschieht mit Hilfe so genannter Asset Backed Securities. Dazu später mehr.

 
 

Die Außenfinanzierung ist dadurch gekennzeichnet, dass flüssige Mittel ins Unternehmen fließen, während bei der Innenfinanzierung verhindert wird, dass liquide Mittel aus dem Unternehmen abfließen. Am Eingängigsten ist das bei der Innen-Eigen-Finanzierung, die man als Selbstfinanzierung bezeichnet. Dabei handelt es sich z. B. um die Einbehaltung bzw. Thesaurierung des erwirtschafteten Gewinns. Wenn Aktiengesellschaften ihren Gewinn thesaurieren, also nicht in Form einer Dividende ausschütten, wird Körperschaftsteuer in Höhe von aktuell 25 % fällig.

 
 
Eine Innenfinanzierung entsteht auch durch eine Überbewertung von Passiva und eine Unterbewertung von Aktiva des Unternehmens. Auf diesem Wege wird der Gewinn reduziert und liquide Mittel verbleiben im Unternehmen. Da diese Form der Innen-Eigen-Finanzierung nur sehr schwer zu erkennen ist, spricht man hier von der so genannten stillen Selbstfinanzierung. Auch Abschreibungen und Rückstellungen reduzieren den Gewinn und sorgen so dafür, dass liquide Mittel im Unternehmen verbleiben. Hier ist allerdings die Zuordnung zur Eigen- bzw. Fremdfinanzierung schwierig. Rückstellungen von Banken gegen Drohverluste werden ganz klar dem Eigenkapital zugeordnet. Pensionsrückstellungen werden hingegen als Innen-Fremd-Finanzierung klassifiziert.
 
Grundsätzlich ist ja nicht eins zu eins klar, wie die Aktiva eines Unternehmens finanziert sind, da keine direkte Zuordnung zwischen der Passiv- und der Aktivseite der Bilanz erfolgt. Deshalb ist es auch bei der Finanzierung aus Desinvestition, die – falls sie erfolgsneutral erfolgt - letztlich nichts anderes als ein Aktivtausch ist, nicht klar, ob es sich dabei um eine Innen-Eigen- oder Innen-Fremd- Finanzierung handelt! Die folgende Grafik verdeutlicht, wie Innen- und Außen- sowie Fremd- und Eigenfinanzierung zusammengehören:
 
Literaturverzeichnis

Grundzüge der Finanzierung und Investition Hans Hirth

2008, Oldenbourg, 127-151

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