Statische Investitionsrechenverfahren

Dr.-Ing. Hans-Markus Callsen-Bracker


Investitionsrechenverfahren werden im Rahmen des Investitionsentscheidungsprozesses bzw. des Investitionscontrollings eingesetzt, um die Vorteilhaftigkeit einzelner Investitionen zu ermitteln oder um verschiedene Investitionsobjekte miteinander zu vergleichen. Wenn es sich für das Unternehmen lohnt, ein einzelnes Objekt durchzuführen, dann spricht man davon, dass das Investitionsobjekt "absolut" vorteilhaft ist. Durch die Investition würde Wert geschaffen werden. Wenn es hingegen darum geht, dass ein Investitionsobjekt ein anderes Investitionsobjekt dominiert, dann spricht man davon, dass relative Vorteilhaftigkeit vorliegt.

 
 

Grundsätzlich lassen sich die Investitionsrechenverfahren in zwei große Schubladen einsortieren: Die statischen und die dynamischen Verfahren. Sie unterscheiden sich dadurch, dass bei den statischen Verfahren im Gegensatz zu den dynamischen Verfahren der "Zeitwert des Geldes" nicht berücksichtigt wird! Statische Verfahren berücksichtigen also nicht, dass es aus heutiger Sicht einen wertmäßigen Unterschied macht, ob eine Zahlung in einem Jahr oder in zehn Jahren erfolgt. Die statischen Verfahren berücksichtigen insbesondere keine Zinseszinseffekte. Obwohl die statischen Verfahren mit zahlreichen konzeptionellen Schwächen behaftet sind, werden sie in der Praxis häufig eingesetzt. Daher bezeichnet man sie auch als "Hilfsverfahren der Praxis". Ihre weite Verbreitung mag auch darauf zurück zu führen sein, dass sie relativ einfach und kostenextensiv durchführbar sind. Typische statische Verfahren sind:

  • Kostenvergleichsrechnung
  • Gewinnvergleichsrechnung
  • Rentabilitätsrechnung
  • Amortisationsrechnung

Bei statischen Verfahren wird in der Regel eine fiktive Durchschnittsperiode zugrunde gelegt. Da Ein- und Auszahlungen während der Nutzungsdauer des Investitionsobjektes in der Regel schwanken, müssen außer beim Amortisationsrechenverfahren Durchschnittswerte gebildet und auf diesem Wege ein fiktives Durchschnittsjahr konstruiert werden. Auch die Erfolgsgrößen müssen an die fiktive Durchschnittsperiode angepasst werden. Außerdem wird beispielsweise die Anschaffungszahlung bei den Investitionsobjekten nicht in Höhe der Anschaffungsauszahlung, sondern mit ihren Abschreibungen berücksichtigt.

Kostenvergleichsrechnung

Mit Hilfe der Kostenvergleichsrechnung kann man Aussagen über die relative Vorteilhaftigkeit mehrerer Investitionsobjekte machen: Falls sich Investitionsobjekte nur hinsichtlich ihrer Kosten unterscheiden, sollte das Investitionsobjekt mit den niedrigsten durchschnittlichen Kosten durchgeführt werden. Allerdings kann man mit der Kostenvergleichsrechnung keine Aussage über die Wirtschaftlichkeit eines Investitionsobjektes, also über seine absolute Vorteilhaftigkeit, treffen. Dazu benötigt man schließlich auch Informationen über die Erlösseite des Investitionsobjektes. Neben typischen Kosten wie Personal-, Material-, Reparatur- und Instandhaltungskosten sowie Miet- und Energiekosten werden bei der Kostenvergleichsrechnung auch kalkulatorische Kosten wie kalkulatorische Abschreibungen und kalkulatorische Zinsen berücksichtigt. Die kalkulatorischen Abschreibungen (Abs) bestimmt man folgendermaßen:

 

 


A0 - Anschaffungsauszahlung


Ln - Liquidationserlös zum Zeitpunkt n


n - Projektlaufzeit

 

Die kalkulatorischen Zinsen der durchschnittlichen Periode werden mit Hilfe des durchschnittlich gebundenen Kapitals berechnet. Wenn man von kontinuierlichen Rückflüssen ausgeht, dann nimmt das gebundene Kapital kontinuierlich ab. Bei einem Liquidationserlös von L, einer Anschaffungsauszahlung A0 und n Perioden ergibt sich ein durchschnittlich gebundenes Kapital von:

 

 

 

Diese Durchschnittsbetrachtung ist in der folgenden Graphik noch einmal verdeutlicht. Sie macht klar, dass hier die implizite Annahme getroffen wird, dass die Kapitalbindung kontinuierlich abnimmt. Es hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, ob diese Annahme sinnvoll ist oder nicht!

 

 

Bei unterschiedlichen Ausbringungsmengen muss statt des Periodenkostenvergleichs ein Vergleich der Stückmengen und der dazugehörigen Stückkosten vorgenommen werden. Grundsätzlich ergeben sich bei Projekten, die sich nicht nur auf der Kostenseite, sondern auch auf der Erlösseite unterscheiden, eine Reihe von Schwierigkeiten, so dass eine Gewinnvergleichsrechnung nötig werden kann.

Gewinnvergleichsrechnung

Bei der Gewinnvergleichsrechnung wird die Kostenvergleichsrechnung um die durchschnittlichen Erlöse erweitert.

Rentabilitätsrechnung

Bei der statischen Rentabilitätsrechnung wird der durchschnittliche Jahresgewinn eines Investitionsobjektes zum durchschnittlich gebundenen Kapital in Beziehung gesetzt.

 

 

Die Entscheidungsregel lautet: Führe das Investitionsobjekt durch, falls die Rendite (auf Englisch: Return on Investment ROI) höher als der Kalkulationszinsfuß ist.

ROI > iKalk.

 

Amortisationsrechnung

Im Rahmen der Amortisationsrechnung (engl.: Pay-off oder Pay-Back-Period) wird die Frage untersucht, in welchem Zeitraum das investierte Kapital durch Erlöse zurückfließt. Sie arbeitet anders als die Gewinnvergleichsrechnung, die Kostenvergleichsrechnung und die Rentabilitätsrechnung NICHT mit Kosten und Erlösen, sondern mit Einzahlungen und Auszahlungen. Falls die Amortisationsdauer m mit Hilfe der Kumulationsmethode bestimmt wird, gilt für die Anschaffungsauszahlung A0:

 
 
 

A0 - Anschaffungsauszahlung

 

m - Amortisationsdauer

 
 

CFt - Einzahlungsüberschuss zum Zeitpunkt t

 
 

Die Amortisationsdauer ist also der Zeitraum, in dem die Anschaffungsauszahlung durch die unverzinsten (!) Einzahlungsüberschüsse des Projektes wieder zurückfließt. Sie kann auch als ein Risikomaß gesehen werden. Schließlich gilt: Je kürzer die Amortisationsdauer, desto weniger riskant ist das Projekt.

 

Die dynamische Amortisationsdauer

Die dynamische Amortisationsdauer berücksichtigt bei der Bestimmung der "Payback Period" Zinseffekte und zählt deshalb eigentlich schon zu den dynamischen Investitionsrechenverfahren. Sie ist in der Regel länger als die statisch ermittelte Amortisationsdauer. Daran erkennt man schon, dass das Risiko einer Investition bei einer statischen Betrachtungsweise tendenziell unterschätzt wird.
 
Literaturverzeichnis

Grundzüge der Finanzierung und Investition Hans Hirth

2008, Oldenbourg, S. 23-31

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Investitionsrechnung Lutz Kruschwitz

2007, Oldenbourg, S. 31-42

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Übungsbuch zur Betrieblichen Finanzwirtschaft Kruschwitz, Decker, Röhrs

2007, Oldenbourg, S. 74-81

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