Literatur zum Thema
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Devisen- und Zinsoptionen

Dr.-Ing. Hans-Markus Callsen-Bracker


LEPO

An der EUREX werden neben herkömmlichen Optionen auch so genannte LEPOs gehandelt. Die Abkürzung LEPO steht für Low-Exercise-Price-Option. LEPOs werden in der Regel nur als Kaufoptionen angeboten und weisen einen extrem niedrigen Ausübungspreis auf, der nur einen Euro beträgt.

Auf diesem Wege sind LEPOs ständig tief im Geld, so dass ihr Kurs quasi dem Aktienkurs entspricht! Das Delta der LEPOs ist ungefähr eins. Die Ausgestaltung dieser Kaufoptionen wurde ganz bewusst so gewählt, dass der Wert der Kaufoption in etwa dem Aktienkurs entspricht, um auf diesem Wege einen synthetischen Aktienhandel zu ermöglichen.

Ein Hauptvorteil der LEPOs ist darin zu sehen, dass man sie auch schreiben kann. Es ist also möglich, als Stillhalter aufzutreten und die Short - Position einzunehmen. Auf diesem Wege können Aktien mit relativ kleinem Aufwand quasi leerverkauft werden. Dass eröffnet Investoren, die keinen Zugang zur Wertpapierleihe haben, die Möglichkeit, mit fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen!

Devisenoptionen

Devisenoptionen werden häufig im Wege von OTC-Transaktionen gehandelt. OTC steht für Over-the-counter (über die Theke). Damit sind Geschäfte gemeint, die nicht über die Börse, sondern direkt mit Banken abgewickelt werden. Stellen Sie sich vor, Sie wollen eine Aktie kaufen und beauftragen ihre Geschäftsbank, diesen Kauf für sie zu tätigen. Dann macht es für ihre Bank Sinn, zunächst zu schauen, ob nicht einer der eigenen Kunden gerade einen Verkaufsauftrag gegeben hat. Schließlich könnte sich die Bank, indem sie Angebot und Nachfrage der eigenen Kunden zusammenführt, die von der Börse verlangten Gebühren sparen und für sich selbst als Gewinn einstreichen. Das ist ein typisches Beispiel für "an der Börse vorbei" beziehungsweise für "nicht an der Börse gehandelt" - also für eine OTC-Transaktion. Aber zurück zu den Devisenoptionen:

Devisenoptionen werden von so gut wie jeder Großbank OTC angeboten. Dabei handelt es sich in der Regel um Plain Vanilla Optionen - also reine Kauf- und Verkaufsoptionen ohne irgendwelchen exotischen Schnickschnack.

Nehmen wir als Beispiel für eine Devisenoption eine Euro Kaufoption, die einen Strike von 0,80 $ pro Euro sowie eine sechsmonatige Restlaufzeit aufweist. Die Quotierung der Bank lautet 1,63-1,78. Dabei ist die erste Zahl der Geld- und die zweite Zahl der Briefkurs. Wie teuer die Option tatsächlich ist, hängt von dem umzutauschenden Dollarvolumen ab. Beim Geld- und beim Briefkurs handelt es sich um Prozentsätze. Sie beziehen sich auf den gesamten Optionsbetrag. Wenn man beispielsweise 1,0 Millionen Dollar zu 0,80 $ pro Euro umtauschen möchte, ergibt sich ein Betrag in Euro in Höhe von:

1,0 Millionen Dollar /0,80 $ pro Euro = 1,25 Millionen Euro

Das Geschäft der Bank besteht darin, dass sie zum Briefkurs verkauft und zum niedrigeren Geldkurs Optionen zurücknimmt. Wir müssen, wenn wir die Devisenoptionen kaufen wollen, den höheren Briefkurs zahlen. Es ergibt sich eine Optionsprämie in Höhe von:

0,0178 · 1,25 Millionen Euro = 22.250 Euro

Diesen Betrag müssen wir der Bank zahlen, um in sechs Monaten eine Million $ zum Wechselkurs 0,80 $ pro Euro in Euro tauschen zu dürfen. Man beachte an dieser Stelle, dass uns die Kaufoption dazu berechtigt, Euros zu kaufen.

Man kann sich also mit dieser Kaufoption, gegen einen sinkenden Wert des Dollars absichern. Man sichert sich natürlich nur deshalb gegen einen sinkenden Dollarwert mit einer Kaufoption ab, da es sich bei der betrachteten Option um eine Euro Kaufoption handelt.

 

Zinsoptionen

Was genau unter einer Zinsoption verstanden wird, ist zum Teil sehr unterschiedlich. Mittlerweile fasst man unter dem Oberbegriff Zinsoptionen ein ganzes Sammelsurium an Derivaten zusammen, deren Kurs abhängig von einem Referenzzinssatz ist. Zinsoptionen können Optionen auf Zinsen, Bonds und auf Zins-Futures sein.

Handelt es sich bei der Zinsoption um eine Anleiheoption, dann steigt der Wert einer Kaufoption mit fallenden Zinsen, da der Wert des Underlyings - in diesem Fall der Anleihenkurs – mit sinkendem Kalkulationszinssatz steigt. Bei Zinssatzoptionen ist es umgekehrt. In diesem Fall wäre der Referenzzins selbst das Underlying. Eine Kaufoption wäre umso mehr wert, je höher der Referenzzinssatz ist.

Bei OTC-Optionen werden so gut wie alle Zinsinstrumente als Basistitel verwendet. Allerdings sind einige Zinsoptionen erheblich bedeutsamer als andere, wie zum Beispiel Caps und Floors - die auch Zins-Begrenzungsvereinbarungen genannt werden - und Optionen auf Swaps - sogenannte Swaptions. Über Zinsswaps werden wir weiter unten noch ausführlich sprechen!

Maximale Rendite beim Anleihenkauf

Bei Kaufoptionen auf Anleihen besteht ein wichtiger Unterschied im Vergleich zu Kaufoptionen auf Aktien darin, dass der Kurs einer Aktie theoretisch unbegrenzt ist, der Kurs einer Anleihe jedoch nur bis zu einer Kursobergrenze steigen kann. Denn negative Zinssätze kommen so gut wie nie vor. Der Maximalwert einer Anleihe mit einem Ausfallrisiko von Null ergibt sich bei einem Kalkulationszinssatz von Null. Der Kurs der Anleihe ergibt sich in diesem Fall einfach als Summe der Zins- und Tilgungszahlungen:

 

 

T-Restlaufzeit der Anleihe

z0 -feste Verzinsung

K0 - Nominalbetrag (Rückgabe zu Pari)

K1 - maximaler Kurs der Anleihe

Aus dem maximalen Anleihekurs ergibt sich, unter der Annahme, dass die Anleihe zum Nominalbetrag K0 erworben wurde, eine maximale prozentuale Kurssteigerung von:

 

Bei einer Restlaufzeit von sechs Jahren und einem Kuponzins von sechs Prozent kann der Anleihenkurs also maximal um 36 % steigen! Das ist gar nicht schlecht, wird aber wahrscheinlich nie erreicht.

Literaturverzeichnis

Finanznachrichten lesen, verstehen, nutzen. Ein Wegweiser durch Kurs- notierungen und Marktberichte R. Beike/ J. Schlütz

2005, Schäffer-Poeschel, S. 602-632

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Professionelles Portfoliomanagement C. Bruns, F. Meyer-Bullerdiek

2003, Schäffer-Poeschel, 282-285

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