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Caps

Dr.-Ing. Hans-Markus Callsen-Bracker


Bei einem CAP handelt es sich um einen Vertrag, der Optionscharakter besitzt. Die Vertragsparteien vereinbaren Ausgleichszahlungen, die der Cap Käufer vom Verkäufer erhält, falls ein Referenzzinssatz, wie zum Beispiel der LIBOR oder der EURIBOR, oberhalb eines bestimmten Zinssatzes, dem Strike, zu bestimmten Terminen, so genannten Roll-over Terminen, liegt. (Der LIBOR ist der in London bestimmte Zinssatz, den sich Banken gegenseitig für kurzfristige Einlagen zahlen. Die Abkürzung steht für: London Interbank Offered Rate. Der EURIBOR ist so was Ähnliches im Euro Raum.) Wird der Strike zum Termin überschritten, zahlt der Verkäufer die vertraglich vereinbarte Ausgleichszahlung. Dabei ist es üblich, dass sie nachschüssig - also kurz vor dem nächsten Roll-Over-Termin - gezahlt wird! Als Referenzzins kommen zum Beispiel der 3-Monats-, 6-Monats- oder 12-Monats-EURIBOR infrage. Die Höhe der Ausgleichszahlung A errechnet sich folgendermaßen, falls der Referenzzins größer als der Strike ist:

 
 
 

 



Mithilfe eines CAP kann man sich also entweder gegen steigende Zinsen absichern oder aber auf steigende Zinsen spekulieren. Wenn man den CAP zur Absicherung gegen Zinssteigerungen verwendet, ergänzt man das Zinsrisiko auf einen Höchstzinssatz. Aus diesem Grund spricht man bei Caps auch von höchst Zinsvereinbarungen. Daher rührt auch der Begriff Cap, was soviel wie Mütze, Kappe beziehungsweise Zinsdeckel bedeutet. Nehmen wir an, ein Unternehmen hat eine variabel verzinste Anleihe, eine so genannte Floating Rate Note FRN, mit einem Nennbetrag von 5 Millionen Euro und einer Restlaufzeit von vier Jahren begeben. Der variable Zins der FRN entspricht dem 12 Monats-EURIBOR. Um sich gegen Zinssteigerungen abzusichern, kauft das Unternehmen einen Cap 5% gegen 12-Monats-EURIBOR bei einer Bank (zum Beispiel der WestLB). Der Cap hat als Referenzzinssatz den 12-Monats-EURIBOR, eine Laufzeit von vier Jahren, einen Strike von 5% und die Roll-Over-Termine sind jeweils am 1.7. des Jahres. Als Volumen werden 5 Millionen Euro vereinbart. Nun wird jeweils zum Roll-Over-Termin der 12-Monats-EURIBOR und der Strike verglichen. Sollte der Referenzzinssatz beispielsweise bei 12% liegen, würde die Bank an das Unternehmen den folgenden Betrag zahlen:

 
 
(0,12-0,05) · 360/360 · 5 Millionen Euro= 350.000 Euro
 
 

Die eigentlich fällige Zinszahlung auf die ausstehende FRN reduziert sich durch diese Ausgleichszahlung von der Bank auf

 
 
0,12 · 5 Millionen-350.000 Euro= 250.000 Euro
 
 

Also auf 5% von 5.000.000 Euro, was dem Strike des Cap entspricht. Natürlich verkauft die Bank den Cap nicht kostenlos, sondern verlangt eine Prämie, die in der Regel als Up-Front-Payment - also als mit Abschluss des Vertrages fällige Einmalzahlung - zu leisten ist. Die Quotierung für vier Jahres Caps mit Strike 5% lautet 124-138. Dabei handelt es sich um Basispunkte, also um Hundertstel Prozent. Wie immer, ist natürlich auch hier der Geldsatz, zu dem die Bank Caps kauft, niedriger als der Briefsatz, zu dem sie Caps verkauft. In unserem Beispiel müsste das Unternehmen dem Briefsatz von 138 Basispunkte, also 1,38%, zahlen.

 
 

Bei einem Volumen von 5 Millionen Euro ergibt sich ein Up-Front-Payment in Höhe von:

 
 
0,0138 · 5 Millionen Euro= 69.000 Euro
 
 

Anscheinend ist die maximale effektive Belastung des Unternehmens doch etwas höher als die 5% des Strike. Um die effektive Belastung als Prozentsatz des Cap-Volumens auszudrücken, wird das Up-Front-Payment mithilfe des Annuitätenfaktors auf die Laufzeit verteilt. Als Kalkulationszinssatz verwende ich im Beispiel den Strike. Das Unternehmen zahlt dann jedes Jahr in etwa 20.000 Euro für den Cap. Das entspricht 39 Basispunkten. Die maximale effektive Zinsbelastung beträgt also insgesamt, wenn man die FRN und den gekauften Cap zusammennimmt, 5,39%.

 
 

Die minimale Zinsbelastung beträgt für den Fall, dass der 12-Monats-EURIBOR auf 0% fällt, 0,39%. Die folgende Abbildung fasst unser Beispiel noch einmal zusammen: Es wurde eine FRN emittiert und ein Cap mit einem Strike von 5% zum Preis von 1,38% des Cap-Volumens gekauft, das gleichzeitig dem Volumen der variabel verzinsten Anleihe entspricht.

Wie berechnet die Bank die Prämie für den Cap? Letztendlich ist ein Cap ja nichts anderes als ein Bündel von Zinssatzoptionen. Bei der Bewertung wird nun so getan, als ob das Recht des Cap-Käufers zu jedem Roll-Over-Termin einer einzelnen Zinssatzoptionen - man spricht hier von einem Caplet - entspricht. Die Prämie für den Cap ergibt sich dann einfach als Summe der Einzelpreise der Caplets.

Literaturverzeichnis

Finanzwirtschaft der Unternehmung Perridon/ Steiner

2007, Vahlen, 346-347

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Finanzierung und Investition Lutz Kruschwitz

2007, Oldenbourg, 336

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Professionelles Portfoliomanagement C. Bruns, F. Meyer-Bullerdiek

2003, Schäffer-Poeschel, 270-276

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